aynsleylister eyeswideopenNicht nur das Geburtsjahr verbindet den Bluesbarden mit ANA POPVIC, sondern auch die Tatsache, dass beiden Mitte Neunziger anfingen Musik machen ernsthaft zu betreiben. Damals war ja mit Blues sehr wenig zu holen, was beide nicht davon abhielt, der ursprünglichsten Form des Rock zu frönen. Als Brite hatte AYNSLEY LISTER aber den eindeutigeren Bezug zu dieser Spielart, was ihm im Umkehrschluss allerdings den Exotenbonus kostet. Wie sehr ihm sein ansprechendes Äußeres geholfen hat, sich in der heute wieder lebhaften Bluesszene durchzusetzen, vermag man schwer zu sagen. Mittlerweile hat er sich eine breite Fanschar erspielt, die aber drei Jahre auf neues Studiomaterial warten musste. So umtriebig wie zu Beginn seiner Karriere ist er nicht mehr, lieferte nun aber mit „Eyes Wide Open“ sein achtes Studioalbum ab.

Wer so lange im Geschäft ist, der kann es auch mal ruhiger angehen lassen, und genau das tut der Mann auch beim coolen Opener „All Of Your Love“. Der Bass von Steve Amadeo und der Drumshuffle von Boneto Dryden treiben lässig voran, im Mittelteil duelliert er sich schön mit Organist Bennett Holland . Hier erkennt man schon deutlich die Handschrift auf dem Album, viel mit perkussiven Licks zu arbeiten, die sehr beschwingt rüber kommen. Noch markanter macht er in „Time“ davon Gebrauch, in dessen flirrender Coda sich Hammondorgel und Leadgitarre schön vereinen. Noch lässiger als auf dem Opener agiert Lister in „Il Grande Mafioso“, welches mit Barpiano wunderbar abgehangen wirkt. Zusammen mit dem dezenten Italo-Swing in der Melodieführung erzeugt die Nummer eine Atmosphäre wie eine 30er Jahre Gangsterballade.

AYNLEY LISTER geht hier sehr zurückhaltend zu Werke, „Eyes Wide Open“ besitzt dieses typisch britische Understatement. Das hätte er gar nicht nötig, denn neben seinem brillanten Spiel verpasst er der Scheibe einen sehr feinen Klang, der alles ausgewogen in Szene setzt. Dabei muss man aber auch die Arbeit seiner Mitmusiker hervorheben, die jeden Ton wohlig dosieren. So harmonieren die Bläser in „Everything I Have To Give“ sehr gekonnt mit dem pumpenden Bass, weil sich keiner in den Vordergrund drängen will. Selbst wenn es rockiger wird wie bei „Right As Rain“, setzen sie jede Note punktgenau.
Leider schleichen sich dadurch mit der Zeit ein paar Längen ein, zumal kaum ein Lied unter fünf Minuten durch geht. Vielleicht wäre ein bisschen mehr Mut erforderlich, streckenweise ist das zu laid back, speziell in souligen Stücken wie „Other Part Of Me“. Vielleicht hätte man das ein oder andere knackige Bläserarrangement einflechten oder richtig drauf los rocken können. Das schadet den perfekt auskomponierten Titeln wie dem funkigen „Handful Of Doubt“ zwar nicht, doch es wäre noch mehr drin gewesen. Das unterscheidet wohl auch einen Großen wie den Mann aus Leicester von einem ganz Großen wie JOE BONAMASSA, der kein Risiko scheut.

Interessanter Weise lässt er nämlich in einem ruhigen Song seine Sechssaitige am Lautesten sprechen. In „Won´t Be Taken Down“ legt er schöne Leads über die Orgelflächen, bevor er dann im Refrain einen sehr direktes Riff heraus haut. Das verleiht dem Song die Kraft, die man manchmal vermisst und sucht die Nähe zu BAD COMPANY. In den ruhigen, gefühlvollen Momenten läuft AYNSLEYSTER zu Hochform auf, obwohl sich diese erst in den geringen Kontrasten bemerkbar machen müssen. „Dishevelled“ gibt den spartanisch arrangierten Slow Blues, der auch mal wieder gerne in der Pianobar vorbei schaut.
Noch stärker präsentiert sich „Kalina“, welches auf einem wunderschönen Leadthema basiert. Hier setzt er seine warme Stimme sehr melodisch ein und das Gänsehautsolo am Ende ist ganz großes Kino. Das zeigt, was für ein beseelter Blueser Lister ist, er zieht und fühlt die Töne wunderbar und verliert nie die weiche Melodiösität aus den Augen. Dieses Feeling durchzieht „Eyes Wide Open“ in jeder Sekunde und lässt die kleinen Kritikpunkte schnell vergessen. Dem Meister gelingt ein wunderbar entspanntes Studiowerk, welches sich bei der aktuellen Kälte gerne mit dem Hörer am Kaminfeuer kuscheln würde. (Pfälzer)

Bewertung:

Pfaelzer8,0 8 / 10


Anzahl der Songs: 13
Spielzeit: 66:12 min
Label: Straight Talkin´Records
Veröffentlichungstermin: 07.10.2016

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