sarischorr forceofnatureManchmal dauert es etwas länger: Die Dame aus den USA hat schon mehr Lenze erlebt als die derzeitige Topgeneration der Bluesszene mit Namen wie Fuchs, Popovic, Lyytinen, Bonamasa oder Lister. Bisher trat sie nur als Backgroundsängerin von Acts wie JOE LOUIS WALKER oder POPPA CHUBBY auf, stand also immer im zweiten Glied. Auf der Blues Convention in Tennessee traf sie 2015 auf Produzentenlegende Mike Vernon, der seinerzeit FLEETWOOD MAC entdeckte und auch das Album „John Mayall´s Bluesbreakers With Eric Clapton“ produzierte. Eigentlich befindet sich der schon im Ruhestand und ist dem englischen Regen längst nach Spanien entflohen, sein Händchen für hoffnungsvolle neue Musiker hat er nicht verloren. Die Stimmgewalt von SARI SCHORR hat es ihm sofort angetan, so dass er sie nach Spanien einlud, um mit ihr an Songs zu arbeiten. Einige hatte sie bereits auf Lager, andere nur als Skizzen, die alle unter dem Titel „A Force Of Nature“ fertiggestellt wurden.

Hilfe bekam sie dabei vor allem von Innes Sibun, der schon bei ROBERT PLANT die sechs Saiten bediente, und die meisten Gitarren auf dem Debüt einspielte. Der Rest wird von Gastmusikern wie Walter Trout, der auch einen Song beisteuerte, und spanischen Musikern erledigt, wobei die Rhythmusgruppe immer gleich ist. Im Mittelpunkt steht das ungeheure Organ von Frau Schorr, welches Vernon perfekt in Szene setzte.
So betont er trotz allem souligen Feeling die rockige Komponente ihrer Kompositionen. Schon der Refrain des fordernden Openers „Ain´t Got No Money“ hat einen tollen Drive, die Orgelflächen legen mit den breiten Riffs den perfekten Untergrund für die kraftvolle Röhre der Frontfrau. Ähnlich verhält sich auch der Chorus des eher sphärischen „Damn The Reason“, einem genialen Mix aus Kraft und Gefühl.
Und hierfür ist der erfahrene Brite zuständig, der einen wuchtigen Klang hinzaubert, der dennoch die vielen Details wie im TITO&TARANTULA-affinen Jam am Ende von „Oklahoma“ genug Raum bietet. Der Bass drückt richtig dick, er treibt, pumpt und wabert, erdrückt aber die übrigen Instrumente nicht. Das ist ganz große Kunst, die nur ein Meister an den Reglern hinbekommt.

Und was für ein viel zu lange verborgenes Talent er da entdeckt hat, „A Force Of Nature“, eine Naturgewalt, der Titel trifft es perfekt auf den Kopf. Was SARI SCHORR hier auch ihrer Stimme rausholt ist unglaublich, diese Power in „Aunt Hazel“ zieht einem die Schuhe aus. Dafür weiß sie im angefunkten „Cat And Mouse“ so ungeheuer soulig zu performen, dass man zwischen Gänsehaut und Dahinschmelzen gar nicht entscheiden kann.
Ganz große Klasse beweist sie beim völlig eigenständigen Cover des Evergreens „Black Betty“. Slidegitarren ebnen den Weg erst verhalten, bevor der Groove richtig in Wallung kommt, und einen tief in die Sümpfe zieht. Eine leichte LED ZEPPELIN-Schlagseite kann man dem tonnenschweren Stück nicht ansprechen, dafür sorgt auch die Orgel von John Baggott, den Sibun von seiner Arbeit mit deren Frontikone kennt.
Beim zweiten Cover, dem SUPREMES-Hit „Stop! In The Name Of Love“ geht man auch weg vom Sixties-Pop des Originals. Hier wird die Soulnote ebenso mit diesem rockigen Flair veredelt, gerade der Chorus braust noch mehr auf. Beim Anspruch das Album komplett mit Rockinstrumentarium zu verwirklichen muss Vernon hier ein paar Kompromisse eingehen und das ein oder andere Arrangement, welches mit Bläsern besser zu intonieren wäre umgestalten. Das gilt neben dem Song vor allem für das swingende „Demolotion Man“, was aber nicht ernsthaft schadet.

Doch die Lady rockt nicht nur, sondern entführt den Hörer mit „Letting Go“ in die Pianobar, Herzschmerz, wie er nur im Blues vertont werden kann. Und am Ende besingt sie ihr ungezwungenes Leben auf Tour in der wunderschönen Pianoballade „Ordinary Life“. Auf dem Niveau sind nicht alle Kompositionen, „Kiss Me“ etwa fällt etwas ab, doch es kommt mehr auf die Art an, mit der die Stücke eingespielt werden. Die Band liefert einen sehr tighten Sound, bringt viel Bluesfeeling mit ein, Innes Sibun soliert geschmackvoll, und dann ist da diese Stimme. So viel Gefühl, so viel Talent, so viel Kraft, so viel Tiefe, bitte mehr davon! (Pfälzer)

 

Bewertung:

Pfaelzer8,0 8 / 10


Anzahl der Songs: 12
Spielzeit: 52:17 min
Label: Manhaton Records
Veröffentlichungstermin: 02.09.2016

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