miketramp maybetomorrowIn der Hair Metalwelle der Achtziger gehörte er zu den ganz großen Stars, 1987 katapultierte das Album „Pride“ mit dem Superhit „When The Children Cry“ seine Band WHITE LION in andere Sphären. Danach sollte nichts mehr so sein, wie es war, dem Druck einen draufzulegen konnte die Truppe nie standhalten, auch wenn speziell „Mane Attraction“ sehr stark ausfiel. Nach dem Split zollte MIKE TRAMP mit FREAKS OF NATURE der aufkommenden Alternativewelle Tribut. Doch weder hier noch mit seinen Solosachen konnte er an den früheren Erfolg anknüpfen, umso bedauerlicher für ihn, da er schon in seiner dänischen Heimat mit der Popband MABEL Erfolge feierte, bevor er in die USA übersiedelte (in Zeiten, in denen das noch Sinn machte). Mehrere Reunionsversuche von WHITE LION scheiterten, es kam nur noch das völlig unbeachtete „Return To The Pride“ von 2008, allerdings bis auf Tramp mit komplett neuer Besetzung. Mittlerweile wieder in seiner skandinavischen Heimat ansässig, wo er weiter eine gewisse Relevanz besitzt, bringt er nun zwei Jahre nach „Nomad“ mit „Maybe Tomorrow“ sein nächstes Soloalbum heraus.

Mit dem kann er auch nicht aus seiner Haut heraus, nach wie vor steht der Mann für melodischen Rock mit Pop-Appeal. Das kann er und dazu weiß er, dass es die Fans von ihm erwarten. Die Scheibe lässt sich gut an, „Coming Home“ treibt gut nach vorne, flankiert von der Orgel und dezenten Leadgitarren. Dabei stehen die Gitarren gar nicht so sehr im Vordergrund, die Tasten geben oft den Ton an. Man darf jetzt aber nicht befürchten, dass Keyboards die Songs verwässern, vielmehr setzt MIKE TRAMP auf den Einsatz von der angesprochenen Hammond und dem Piano.

Zumindest beim folgenden „It´s Not How We Do It“ sind die sechs Saiten präsent und rocken ordentlich los, wobei der Groove Anhängern dieser Klänge bekannt vorkommen dürfte. Diese Akkorde hat man so bei BRYAN ADAMS schon reihenweise gehört, so dass schon mal die Frage aufkommt, ob der Kanadier hier Songwritingcredits bekommen hat. In die selbe Richtung geht auch „Rust And Dust“, nur dass dieses Stück von der Melodieführung einfach flacher ausfällt.
Es steht inmitten eines ganzen Reigen an Lieder, die nicht das Niveau der beiden Eröffnungstracks halten können. „Spring“ weiß zwar mit Hippie-Flair und schönen Harmonien zwischen Piano und Klampfe zu gefallen, aber wirkt im Gesamtbild zu harmlos. Das Problem ist nicht einmal, dass die Songs jetzt ruhig wären, trotz zurückhaltender Instrumentierung sind sie immer noch recht flott, was den Hörer im Falle von „Would I Lie To You“ zu sehr ins Schunkeln bringt.

Es sind nämlich die ganz ruhigen Nummern, welche die Qualität wieder auf das Eingangsniveau heben. Bei den beiden Pianoballaden „Time And Place“ sowie dem Titelsong kann MIKE TRAMP sein immer noch schönes, warmes Timbre voll ausspielen. Die ätherischen Arrangements geben der melancholischen Stimmfärbung genau den Raum sich zu entfalten. Hier klingt der Däne wieder wie jener Rockstar der späten Achtziger, der die Frauen reihenweise schmachten ließ. Vor allem der abschließende Titeltrack lebt von diesen großartigen Melodien, die einen einfach berühren. Das Ganze wird noch mit schönen Orgeleinsätzen und einem gefühlvollen Solo am Ende abgerundet.

Doch ohne den Gesang, der nach all den Jahren nichts von seinem Glanz eingebüßt hat, wäre das hier ein ganz alltägliches Album mit zu vielen belanglosen Momenten. Handwerklich hat Tramp das mit seinen Mitstreitern sehr gut eingespielt, die Produktion ist warm und differenziert, doch ab und an könnte es mehr nach vorne gehen. Das schwerfällige „Leaving One Day“ ist so ein Kandidat, aus dem mehr heraus zu holen gewesen wäre, das beschwingte, ebenso von seinen Harmonien lebende „What More Can I Say“ gelingt da schon besser. Vielleicht fehlt ihm auch einfach ein Partner wie Vito Bratta, der mal eine feurige Axt dazu liefert. (Pfälzer)



Bewertung:

Pfaelzer6,0 6 / 10


Anzahl der Songs: 10
Spielzeit: 51:17 min
Label: Mighty Music
Veröffentlichungstermin: 24.02.2017

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