boneman iii cover200pxUm BONE MAN vorzustellen will ich ein wenig weiter ausholen und erzählen wie es dazu kam, dass ich diese Band entdeckte: Ich hatte wirklich keine Energie mehr, als ich beim letztjährigen PsyKA-Festival am zweiten Festival-Tag, nach einer Ruhepause gierte. Die vielen mir unbekannten Bands, welche auch noch überwiegend psychedelisch-instrumental aufspielten, fand ich schon etwas anstrengend.
Pflichtbewusst sagte ich jedoch meiner Frau, nach einer halben Stunde im Auto sitzend, dass wir
zumindest noch die nächsten Bands unter die Lupe bzw. Linse nehmen sollten.

Von BONE MAN wusste ich nichts, denn die Zeit, um in alle Bands des Festivals reinzuhören, war einfach nicht da. Ihre Kumpels,von den ebenfalls aus Kiel stammenden CAMEL DRIVER, machten große Laune. Jedoch verpuffte anschließend die Energie mit jeder weiteren Minute MANTRA MACHINE.
Also zurück geschleppt und dank ziemlicher Verzögerungen im Zeitplan den Beginn der Show von BONE MAN nicht verpasst. Was dann geschah, lässt sich mit Worten kaum beschrieben. Diese intensive Show, diese Stimme mit dem Eddie-Vedder-Vibe, die einem förmlich die Freudentränen in die Augen trieb und dieser melancholische und gleichzeitig ernste und angepisste Gesichtsausdruck des ständig in seine Kapuze gehüllten Frontmanns Marian.
Meine Frau war plötzlich hellwach und ging wie hypnotisiert zum Merch-Stand der Kieler, um dort bewusstlos einzukaufen.
Die Show war weiterhin im Gange, als BONE MAN noch eine Schippe drauflegten und man glaubte, dass sie gleich ihre Instrumente zerkleinert haben werden.
Danach packten die drei ihre Sachen zusammen und wackelten in Richtung eines abgetakelten Busses. Dennoch gelang es mir ein paar Worte mit der Band zu wechseln, wenn auch im Türrahmen des Toilettencontainers. „Beim letzten Album war ich nicht so gut drauf, war eine schwierige Zeit..!“ meinte Marian, während er die Kapuze richtete.
Okay, ich hatte noch gar nichts gefragt. Ein wenig verdutzt wünschte ich ihnen eine gute Heimreise, denn sie fuhren am gleichen Abend mit den Jungs von CAMEL DRIVER zurück nach Kiel. In mir rumorte es heftig, und ich schwor BONE MAN nicht mehr aus den Augen zu lassen. Zu prägend war dieses Erlebnis.

Zuhause besorgte ich mir erst mal sämtliche noch verfügbaren Tonträger der seit fast 10 Jahren bestehenden Truppe. Das war gar nicht so einfach, denn vieles war bereits ausverkauft.
Das erste Album „I“ von 2009 ist schon lange nicht mehr erhältlich, ganz zu Schweigen von den EPs.
„II“ aus 2013 ist mit gut Glück noch irgendwo auf Lager. Schwieriger wird es dann mit „Plastik Wasteland“ aus 2014 und dem Vorgänger von aktuell „III“, „Shapeshifter“ aus dem Jahr 2015. Die Split-Vinyl "Psychedelic Sellout" mit Burnpilot war schon nach Erscheinen im Oktober 2016 ausverkauft, was aber sicher nur an dem rosafarbenen Fell der Hülle lag.
Stück für Stück, Jahr um Jahr, haben sich die Musiker von BONE MAN nach vorne gekämpft, waren von Anfang an unterwegs und haben sich einen Ruf als Geheimtipp erspielt. Aber wie es so mit Geheimtipps ist, es wird kaum drüber gesprochen. Jeder behält seine Schätze für sich.
Wie aber klingt nun „III“? Dem Album-Cover zufolge stehen die drei „Oberschenkelknochen ?“ für die drei Musiker - definitiv ein Hingucker, doch klingt es womöglich knochig oder abgenagt? Nein, kein Stück! Noch sehr viel intensiver als noch auf „Shapeshifter“ sind die Songs geworden. Mit „Pollyanna“ geht es anfangs wild zur Sache, wie bei einem Thrash-Album, um jedoch gleich wieder in ein gemütlicheres Tempo zu schalten. Ein wenig klingen BONE MAN nun nach NEW MODEL ARMY und THE CULT. Ein wenig Stadion-Hall verwirrt zunächst, und man fragt sich, ob es sich nicht um eine Liveaufnahme handelt. Jedoch unterstreicht der Hall sehr den harten Sound aus Drums, Bass und Gitarre mit ordentlich Fuzzeffekt. Was mich bei BONE MAN von Anfang fasziniert ist, dass jeder Song seine eigene Klangwelt hat, so auch „These Days Are Gone“. In jeder Strophe ist der Gesang sehr klar zu hören während die anderen Parts sehr verzerrt, hart und hallig wirken. Das Lied steigert seine Intensität während der Laufzeit auf ein fast unerträgliches Maß an Wut, gemischt mit Melancholie. Die Texte bieten wie auf jedem Album Raum für Interpretation und doch wird die Botschaft jederzeit klar rübergebracht. Mit seiner sonoren und traurigen Stimme transportiert Marian Traurigkeit und Verzweiflung spürbar - natürlich nur, wenn man sich darauf einlässt. Ich kann mir vorstellen, dass das vielen einfach „too much“ ist. Jedoch wirkt es niemals aufgesetzt oder gekünstelt, wie bei manch anderen Vertretern dunkler melancholischer Musik. Ein Hit ist da für mich ein Song wie „Years Of Sorrow“, wo ein verzerrter Bass zusätzlich die Stimmung verstärkt. Insgesamt wirkt der Sound genauso, wie ich die Band live in Erinnerung hatte: nicht gerade material- oder gesundheitsschonend. Da dengelt es, da fliegen Drumstick-Späne, während das Holz krachend auf dem Fell landet. Da werden Saiten gezogen, angeschlagen und man sieht Hautfetzen und Blutspritzer umherfliegen. Die Schweißtropfen stoben bei jedem Beat in alle Richtungen.
Einfach bis auf die Knochen intensiv.
Wunderschön und unnachahmlich.
Musikalisches Gefühlskino für Rockfans, die den Einheitsbrei satt haben.

Klanglich ist das Album, welches nur knapp 38 Minuten Spielzeit aufweist, gut austariert. Es klingt direkt und hart, man kann die Instrumente trotz des hohen Grades an Verzerrung deutlich auseinanderhalten. Der Schlagzeug-Sound ist zurückhaltend abgemischt aber druckvoll zugleich. Die Stimme thront fast immer über dem Geschehen und sorgt so für intim wirkende Hörerlebnisse.

Von den lärmigen, noisigen Attacken der Anfangszeit hat BONE MAN nur das untrügliche Gespür für großartige Songstrukturen behalten. Der chaotische Klangnebel ist fein austarierten Attacken auf die musikverrückte Seele gewichen. Die Vielschichtigkeit der meisten Songs erschlägt einen anfangs, jedoch birgt diese auch ungeheuerliches Suchtpotential. Man muss wirklich aufpassen, dass man keine chronische Gänsehaut bekommt, wenn man den Jungs zuhört. (Andreas)

 

Bewertung:

Andreas9,0 9 / 10


Anzahl der Songs: 8
Spielzeit: 38:01 min
Label: Pink Tank Records
Veröffentlichungstermin: 21.04.2017

boneman band

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